Kleines grünes Männchen
In anderen Ländern gibt es bis heute das Klischee: Deutsche warten auch um drei Uhr morgens in einer komplett leeren Straße an einer roten Ampel. Auch dann, wenn sie zu Fuß gehen. Das Klischee stimmt: Deutsche Fußgänger und Autofahrer halten sich an Ampeln – von den Alpen bis zur Nordsee und von Nordrhein- Westfalen bis nach Sachsen. Dort im Osten hat man zu den Ampeln sowieso eine sehr spezielle (und emotionale!) Beziehung.
Im Medizinischen Dienst des Verkehrswesens der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) hat mehr als 30 Jahre lang ein Verkehrspsychologe mit dem Namen Karl Peglau gearbeitet. Am 13. Oktober 1961 hat er in Ostberlin seine Vorschläge für neue Ampelsymbole vorgestellt. Eines davon war ein sehr spezifisches Piktogramm für Fußgänger: das Ost-Ampelmännchen. Es ist ein bisschen dick, hat eine lustige Nase und trägt einen Hut. Die meisten assoziieren sofort das Wort niedlich mit dem kleinen Mann. Peglau weiß als Psychologe genau, warum er dieses Design gewählt hat: Wir vertrauen den Menschen schneller, die uns sympathisch sind.
Außerdem bekommt das Signal durch den Hut und den etwas dickeren Körper mehr Fläche. Es ist also besser zu sehen. Und das Design ist dynamisch: Das rote Ost-Ampelmännchen hat seine Arme oben. So zeigt es klar: Stopp, nicht weitergehen! Und das grüne Ost- Ampelmännchen geht mit ziemlich viel Schwung über die Straße. Auch Experten sagen: Peglaus Design ist sehr effektiv.
Trotzdem: Nach dem Ende der DDR sollte es weg. Die Politik war der Meinung, dass sein statischer Kollege aus dem Westen den Job in ganz Deutschland machen soll. Das aber war für viele Ostdeutsche ein Affront. Sie wollten ihr niedliches Ampelmännchen behalten. Karl Peglau und ein “Komitee zur Rettung der Ampelmännchen” haben protestiert. Mit Erfolg. Das Ost-Ampelmännchen hat offiziell seinen Platz in dem Dokument “Richtlinien für Lichtsignalanlagen” bekommen. Und nicht nur dort: Es ist bei Deutschen und auch bei vielen ausländischen Touristen Kult. Besucher fotografieren die Ampelmännchen gern. Und als Souvenir reisen die Männchen auf Postkarten, T-Shirts oder Tassen um die ganze Welt.
Zu welcher Entscheidung der Regierung haben die Proteste der Ostdeutschen geführt?
AEs wurde ein “Komitee zur Rettung der Ampelmännchen” gegründet.
BDas Ost-Ampelmännchen wird auch nach dem Ende der DDR benutzt.
CDas Ost-Ampelmännchen ist jetzt in dem vereinten Land überall zu sehen.
DKarl Peglau konnte seine beruflichen Pflichten in ganz Deutschland erfüllen.